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Haffküste
© Henry Beiermann / LK V-G 

Wildschweine sind (k)ein Problem?

Das Jagdjahr neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. Jetzt kommt die Zeit, um über das vergangene Jagdjahr nachzudenken und sich »aufzumunitionieren«. Nicht nur mit »Pulver und Blei« – sondern vor allem mit Wissen!


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Wildbiologe Dr. Hinrich Zoller von der Universität Rostock

© Achim Froitzheim / LK V-G

Aus diesem Grunde organisierte die Untere Jagdbehörde der Kreisverwaltung im Rahmen des Pilotprojektes zur nachhaltigen Bestandsreduzierung des Schwarzwildes am 1. März einen Vortrag, der »Aktuelle wissenschaftliche Gesichtspunkte der Schwarzwildbewirtschaftung« zum Inhalt hatte. Wildbiologe Dr. Hinrich Zoller von der Universität Rostock stellte in seinem mehr als einstündigen Vortrag eine Reihe interessanter Aspekte veränderter Bedingungen bei der Bewirtschaftung des Schwarzwildes vor.

Dabei hob er hervor, dass sowohl objektive Bedingungen, wie Klimaveränderungen und zunehmende Fraßmöglichkeiten, als auch »hausgemachte« Faktoren, wie die Entfremdung der Stadtbevölkerung von der land- und forstwirtschaftlichen Produktion oder das Besitzdenken einiger Jäger, für den Anstieg der Wildschweinbestände von ursächlicher Bedeutung sind. Mehr als 70 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer, überwiegend selbst Jäger, verfolgten in der Forstsamendarre Jatznick der Landesforst MV die teils kritischen Hinweise des Referenten und hielten ihrerseits in der anschließenden Diskussion mit eigenen Meinungen zu dem Thema nicht hinter dem Berg.

Skeptisch wurden die Darlegungen Dr. Zollers bewertet, die von herkömmlichen Bejagungsmethoden abweichen. So wurden die Fallenfänge zur wissenschaftlichen Untersuchung des Raum-Zeit-Verhaltens der Wildschweine im Stadtgebiet der Hansestadt Rostock kritisch gesehen. Gleichsam betrachteten einige der Anwesenden das Vorgehen bei der notwendigen Reduzierung der dortigen Überpopulation an Wildschweinen als Ausnahmesituation. Die dort praktizierten Maßnahmen, so einige Diskutanten, ließen sich nicht ohne Weiteres auf andere Gebiete übertragen.

Doch diese Szenarien sind längst keine Ausnahmefälle mehr: Wildschweine wühlen an Wohnsiedlungen angrenzende Grünanlagen oder private Gärten um und zerstören Deichanlagen in Hochwasserschutzgebieten. Die Folge sind nicht nur in ihrer Wehrhaftigkeit geschwächte Deiche, sondern auch finanzielle Schäden von mehreren 100.000 Euro jährlich. Auf Promenaden, wie in Heringsdorf 2016 wiederholt zu beobachten, laufen die Wildschweine unterdessen mit Passanten um die Wette. In der Regel sind das jagdlich befriedete Bezirke, in denen die Jagdausübung mit der Waffe aus gutem Grund ruhen muss.

Interessiert wurden die Darlegungen Dr. Zollers verfolgt.

© Achim Froitzheim / LK V-G

Auch die Nutzung modernster Möglichkeiten der Waffentechnik, hier insbesondere der Nachtzieltechnik, wurde von einigen Besuchern der Veranstaltung unter jagdethischen Gesichtspunkten mehr als kritisch gesehen. Wenngleich die Frage gestellt werden muss, was denn wohl die Mondscheinjagd auf Schalenwild anderes ist? Die Entscheidung, ob und wie die technischen Möglichkeiten genutzt werden, trifft immer noch der Jäger selbst.

Andere Themen, wie das »heiße Eisen« der Bejagung von Bachen, also der weiblichen Tiere in einer Wildschweinrotte, die gefährliche Entwicklung der Schweineseuche »Afrikanische Schweinepest« (ASP) oder die schwierige Bejagung der Sauen in Schutzgebieten, wie zum Beispiel am »Putzarer See«, wurden ebenfalls intensiv diskutiert.

Im Ergebnis der fast zweistündigen Veranstaltung bleibt festzuhalten, dass mit dem Initialvortrag von Hinrich Zoller der Jägerschaft ein weiterer Anstoß gegeben wurde, über ein großes Problemfeld in der Bewirtschaftung von Wildtieren nachzudenken und Lösungsvorschläge zu erarbeiten und umzusetzen. Die sachliche und disziplinierte Diskussion mit dem engagierten Wildbiologen und auch der Teilnehmer untereinander war durchaus geeignet, das Gedankenmaterial aufzunehmen, zu bewerten und an der einen oder anderen Stelle praktisch umzusetzen.

Derartige Informationsveranstaltungen sollen und werden nicht das Allheilmittel dieser Probleme sein – aber wenn die Zeit verschlafen wird, sagt ein geflügeltes Wort: »Das Leben verlangt mutige Entscheidungen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.«

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Quelle: Peter Neumann