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© Henry Beiermann / LK V-G 

Landkreis gewinnt mit Fachsoftware für Jugend und Soziales »SoJuS« 1.Preis im Bundeswettbewerb

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald ist auf dem diesjährigen »Zukunftskongress moderne Verwaltung« unter Schirmherrschaft des Bundesinnenministers am 20. Juni mit der Gold-Medaille für das bundesweit beste digitale Kooperationsprojekt 2017 ausgezeichnet worden. Am Dienstagabend nahmen Landrätin Dr. Barbara Syrbe, Sozialdezernent und Beigeordneter Dirk Scheer sowie Projektgruppenleiter Daniel Kasch gemeinsam mit Matthias Effenberger vom Kommunalservice Mecklenburg (AöR) in Berlin den Preis entgegen.

»Zukunftskongress moderne Verwaltung« würdigt Innovation aus Vorpommern

Eine fachlich hochrangig besetzte Jury aus Wissenschaft und Praxis hatte die Qual der Wahl, unter einer Vielzahl digitaler Projekte von Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Medaillen zu vergeben. Als Pilotanwender des webfähigen Verfahrens »SoJuS - Soziales und Jugend Serviceportal« war der Landkreis im Mai 2017 als einzige deutsche Kommunalverwaltung in die Finalrunde gekommen.

v.l.n.r.: Landrätin Dr. Barbara Syrbe, Sozialdezernent und Beigeordneter Dirk Scheer, Projektgruppenleiter Daniel Kasch und Matthias Effenberger vom Kommunalservice Mecklenburg (AöR)

»Ich freue mich sehr über diese herausragende Auszeichnung. Die Kreisverwaltung in Vorpommern-Greifswald kann auf dem Weg ins digitale Zeitalter nicht nur Schritt halten, sondern geht in Teilbereichen sogar voran. Diese Auszeichnung ist für uns ein besonderer Ansporn, die Modernisierung der Jugend-, Sozial- und Gesundheitsverwaltung entschlossen fortzusetzen«, sagte Syrbe. Sie hoffe auf weitere Unterstützung durch die Landesregierung. Der Preis, so die Landrätin, zeige die Innovationsfähigkeit von Vorpommern. Darauf müsse künftig weiter aufgebaut werden.

»SoJuS bietet für den Jugend- und Sozialbereich eine praxisgerechte, maßgeschneiderte Lösung, wie wir sie uns immer gewünscht haben«, betonte Sozialdezernent Scheer. Sie helfe dabei, Zeit und Kosten zu sparen, mache aber vor allem die Arbeit für die Fachkräfte in der Verwaltung leichter.

Es handelt sich um eine Online-Plattform, die es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Jugendamt möglich macht, Mütter und Väter bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen, beispielsweise wenn Eltern überfordert sind, es Alkoholprobleme gibt, Kinder vernachlässigt werden. Im Jugendamt suchte man bislang in solchen Situationen nach verfügbaren Heimplätzen, nach Wohngruppen oder anderen Hilfsmöglichkeiten. Meist muss es schnell gehen. Also telefonierten die Sozialarbeiter mit freien Trägern, schauten in ihren Akten nach, verglichen die Angebote, bis endlich eine Unterbringung gefunden wurde. Das kostete Zeit, Kraft und Geld.

Bestes Kooperationsprojekt 2017

Doch damit ist im Landkreis Vorpommern-Greifswald Schluss: Die Verwaltung entwickelte nämlich von September 2015 bis jetzt besagtes Projekt SoJuS – eine zentrale, integrierte Plattform, die zukünftig den gesamten Arbeitsprozess bei der Gewährung von Hilfen zur Erziehung abdeckt. In dem neuen System werden alle Informationen zu den jeweiligen Bereichen gebündelt, strukturiert und den Verwaltungsmitarbeitern zeitnah bereitgestellt. Verfügbare Angebote freier Träger können dann unmittelbar in SoJuS ausgewählt, gebucht und abgerechnet werden.

»Wir erwarten eine erhebliche Verbesserung der Arbeitsqualität, eine deutliche Verkürzung von Bearbeitungszeiten, eine höhere Wirtschaftlichkeit der Auswahlentscheidungen und damit nicht zuletzt signifikante Konsolidierungseffekte«, sagte Scheer. Der Landkreis gibt jährlich allein in der Jugendhilfe rund 19 Millionen Euro aus. Mit der neuen Anwendung soll schrittweise auch ein wirksames Controlling unterstützt werden.

Zuallererst profitieren aber die Kinder und Jugendlichen von der neuen Fachsoftware, denn je schneller die individuell geeignete Hilfe für Sie gefunden werden kann, desto besser.

SoJuS funktioniert folgendermaßen: Freie Träger sind als Anbieter eingebunden, erhalten für ihren jeweiligen Bereich einen Zugang, pflegen darüber ihre jeweiligen Grunddaten selbst und stellen vakante Leistungen zeitnah in die Datenbank ein. Damit sind unbesetzte Plätze für das Jugendamt sofort erkennbar und buchbar.

SoJuS schafft also ein »Angebot-Nachfrage-Modell«, das eine nachvollziehbar wirtschaftliche Beauftragung des günstigsten Anbieters ermöglicht. Darüber hinaus ist SoJuS als gegenwärtig einzige webfähige Anwendung für die Sozialarbeiter/innen der Jugendämter und der freien Träger vollständig im Außendienst einsetzbar.

Das Sozialministerium hatte dem Landkreis 2015 zur Entwicklung der SoJuS-Anwendung eine Zuwendung von 50.000 Euro gewährt. Geplant ist, die Software so aufzubereiten, dass das Verfahren auch in den übrigen Landkreisen und den kreisfreien Städten in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt werden kann.

Dezernent Scheer dankte der Landesregierung für ihre Unterstützung und kündigte die baldige Erweiterung von SoJuS auf andere kostenintensive Aufgabenbereiche an. »Vielleicht kommen wir dann nächstes Jahr mit dem SoJuS-Modul für die geriatrische Versorgung wieder«, freute er sich schon auf ein mögliches Wiedersehen.