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Haffküste
© Henry Beiermann / LK V-G 

»Schweinereien« am Deich

Wildschweine gibt es reichlich im Norden. Und reichlich Schaden machen sie auch. Doch das betrifft nicht nur die Feldfrüchte. Ein großes Problem ist die unterirdische Tätigkeit der borstigen Gesellen an den Deichen. Denn damit wird die Schutzfunktion dieser Anlagen im wahrsten Sinne des Wortes untergraben.

Schwarzwild verursacht immense Schäden an Hochwasserschutzanlagen

Deichschäden durch Wildschweine

In der wasserreichen Region des Landkreises Vorpommern-Greifswald gibt es rund 82 Kilometer an Landesschutzdeichen. Zuständig für die Unterhaltung dieser Deiche ist das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern (StALU VP). Das Problem betrifft aber gleichermaßen die Deiche, die durch die Wasser- und Bodenverbände unterhalten werden und landwirtschaftliche Flächen schützen.

Die hohen Wildschweinbestände machen den Verantwortlichen zunehmend Sorgen. »Neu angelegte Deiche bleiben in den ersten drei Jahren zwar verschont, doch sobald sich eine Bodenfauna aus Regenwürmern, Larven, oder Insekten entwickelt hat, werden auch die neuen Deiche für die Wildschweine sehr attraktiv«, sagt Stefan Bös, Mitarbeiter des StALU. Und mit der zunehmenden Zahl an Schwarzwild wachsen auch die Schäden.

Die Behörde ist deshalb nachhaltig an einer Reduzierung des Schwarzwildbestandes und damit dieser Schäden interessiert, weiß aber auch um die Schwierigkeiten der Bejagung in diesen Bereichen. Die Deiche liegen jeweils an den Ortsrändern und sind oftmals von unwegsamen Wald- und Schilfflächen umgeben. Viele dieser Flächen sind vernässt und können daher nur bei lang anhaltendem Frost betreten werden. Schilfflächen sind darüber hinaus geschützte Biotope, in die nur mit Genehmigung Schneisen für die Bejagung gemäht werden dürfen.

Das Problem: Diese Genehmigungsverfahren dauern wegen erforderlicher Beteiligungen der Naturschutzverbände sehr lange, so dass kaum kurzfristig auf günstige Witterungsverhältnisse für die Bejagung reagiert werden kann. Insgesamt also ideale Rückzugsbedingungen für das Schwarzwild und äußerst schwierige Bedingungen für die Jagd.

Besonders in Jahren mit Eichelmast fallen die Schwarzkittel mit Vorliebe über die Deiche her. Eicheln verursachen bei den Wildschweinen besonderen Appetit auf tierisches Eiweiß, das sie in Form von Regenwürmern und Insektenlarven reichlich auf den Grünflächen der Deiche finden.

Wildschweinrotte

© Rolf Handke / PIXELIO

Auch der Versuch bei Deich-Neubauten mit einer Schotterrasen-Schicht unter dem Oberboden Sauen den Appetit auf diesen Flächen zu verderben, war nicht von Erfolg gekrönt. Die robusten Schwarzkittel ließen sich damit nicht von ihrer Wühltätigkeit abhalten.

Dem StALU bleibt nichts anderes übrig, als die Schadensbereiche einzuebnen, zu fräsen und neu mit Grassamen anzusäen. Kosten: zwischen 1,50 bis 2,50 €/m². Bei 20.000 m² Schäden im Jahr 2016 für den gesamten Landkreis Vorpommern-Greifswald eine beachtliche Summe. Und manchmal mit zweifelhaftem Erfolg. Denn nicht selten werden die reparierten Flächen von den Wildsauen in der nächsten Nacht bereits wieder neu aufgemischt.

Einzäunung betroffener Bereiche mit Wild- oder Elektrozäunen sind aufgrund des hohen Aufwandes ebenso wenig praktikabel wie die Vergrämung mit Duftstoffen. Das StALU setzt deshalb auf eine Zusammenarbeit mit den örtlichen Jägern. »Es handelt sich dabei um Sofortmaßnahmen von begrenzter Dauer«, sagt Bös, »langfristig kann nur eine deutliche Reduzierung des überhöhten Schwarzwildbestandes die Schäden dauerhaft eindämmen.« Deshalb vertritt er die Interessen seiner Behörde in der Projektgruppe zur nachhaltigen Reduzierung des Schwarzwildes im Landkreis Vorpommern-Greifswald, die von Minister Backhaus ins Leben gerufen wurde.

Bös weist darauf hin, dass es mittlerweile Studien und Feldversuche von Wildtierbiologen der Uni Rostock gibt, die zeigen, dass mit unkonventionellen Mitteln, wie beispielsweise Saufänge, rigorosem Abschuss von Leitbachen und der intensiven Bejagung von noch nicht geschlechtsreifen Tieren diesem Problem beizukommen ist. So wurde das Stadtgebiet und der Deich von Markgrafenheide innerhalb einer Saison praktisch wildschweinfrei gemacht. Diese Methoden sind allerdings in der Jägerschaft umstritten.

Hier haben die Arbeiten an der Abschussprämie seitens des Landes mittlerweile längst konkrete Formen angenommen!